Seit 1918 ist für den kirchlichen Gesang in Erstfeld der Gemischte Chor zuständig. Am Samstag, 8. Dezember (Mariä Empfängnis) feiert der Verein das 100-Jahr-Jubiläum. Sowohl die Festschrift (verfasst von Ehrenmitglied Guido Giger und Martin Baumberger) als auch der Rück- und Ausblick des Präsidenten Robert Walker zeigen die vergangenen Fixpunkte der Vereinsgesichte auf. Sie beleuchten aber auch die Herausforderungen der kommenden Jahre.
In den Kriegswirren und der Grippezeit um 1918 hatten einige Frauen und Männer das Bedürfnis, den Gemischten Chor ins Leben zu rufen. Es mag erstaunen, dass im damaligen Vorstand bereits zwei Frauen Einsitz nahmen. Als erster Präsident unterzeichnete Johann Furrer (Schuhmacher) die Jahresberichte und als Dirigent amtete Landammann Josef Wipfli. Über all die Jahre gab es vereinsintern Hochs und Tiefs. Mehrmals (wie auch heute) hatte der Chor mit Mitgliederschwund zu kämpfen.
Dass die operative und musikalische Führung jedoch an Stabilität keine Wünsche offen liess, beweist die Tatsache, dass nur 14 Personen das Präsidentenamt bekleideten und der Dirigentenstab lediglich sechs Mal in andere Hände überging. Davon entfielen allein auf Alfred Zwyer 35 Dirigentenjahre. Als Organisten begleiteten in den letzten Jahrzehnten Josef Graf, Armin Wyrsch und Esther Stadler den kirchlichen Gesang. Seit dem Jahr 2017 kamen verschiedene Organisten aus Uri und Umgebung an der Orgel zum Einsatz.
Der Gemischte Chor führte diverse Vereinsreisen durch. In der Blütezeit der Gotthardbahn gelangten sogar Unterhaltungsabende zur Durchführung. Als Fixpunkte der Vereinsgesichte gelten unter anderen folgende Anlässe: 50- und 75-Jahr-Jubiläum, Einweihung der renovierten und vergrösserten Pfarrkirche St. Ambrosius (1958), jährliche ökumenische Messfeiern mit dem evangelisch-reformierten Kirchenchor (seit 1982), Einweihung der renovierten Kirche in Silenen (2002), Umrahmung der Messe im Alters- und Pflegeheim Spannort (seit dessen Eröffnung). Gar Kultstatus erlangten während der Ära Alfred Zwyer zu Weihnachten die feierlichen Mitternachtsmessen zusammen mit dem Orchester Erstfeld.
Als musikalischer Leiter zeichnet seit 2005 Michel Huser verantwortlich. Den Vorstand im Jubiläumsjahr bilden Robert Walker (Präsident), Rita Kempf (Vizepräsidentin), Marietheres Wyrsch (Kassierin), Alfred Schilter (Aktuar), Vreny Gnos (Materialverwalterin).
Am vergangenen Kirchweihfest vom 21. Oktober sang der Chor die anspruchsvolle St.-Albin-Messe und suchte dazu vor Jahresfrist projektbezogen Sängerinnen und Sänger. Heute zählt der Gemischte Chor rund 35 Aktivmitglieder. Der Altersdurchschnitt ist jedoch recht hoch, sodass sich gewisse Zukunftsfragen aufdrängen. Ob die Zusammenarbeit mit einem Chor einer Nachbargemeinde eine mögliche Option darstellt, dürfte mittelfristig zur Diskussion stehen.
Mit der hoffnungsvollen Einladung «Chumm, sing mit!» gelangen die Autoren der Festschrift an die jüngere Generation und geben zu bedenken, dass Singen ein besonderer Wert des Lebens und zudem eine Gratistherapie für die Sinne darstellt. Im Weiteren halten sie fest: «Der Gemischte Chor kann nicht allein den Weg zur Jugend wieder finden. Dies wird eine Aufgabe der ganzen Pfarrei oder der Kirche Schweiz sein.» Der Kirchengesang stellt selbstverständlich das Kerngeschäft des Gemischten Chores dar.
Für Gesangfreudige mit Berührungsängsten gegenüber der Kirchenusik sei an dieser Stelle jedoch erwähnt, dass der Erstfelder Chor auch weltliche Literatur sowie diverse Volkslieder in seinem Repertoire führt, die bei einem entsprechenden Anlass gerne dargeboten werden.
Der Gemischte Chor bereichert mit seinen Liedern am Samstag, 8. Dezember, 9.30 Uhr, den Gottesdienst und lädt anschliessend alle Interessierten zum Apero in den Stegmattsaal ein. Am Mittag findet für die geladene Festgemeinde im Pfarreizentrum das Bankett statt. Gemeinsam mit den befreundeten Kirchenchören Amsteg und Silenen bietet der jubilierende Verein (OK-Präsident: Martin Zgraggen) am Nachmittag ein buntes Unterhaltungsprogramm. Das Fiirwehrcheerli Erstfeld bestreitet einen Gastauftritt und die Conférence liegt in den Händen von Matthias Furger.
Lorenz Gamma