Reise des Gemischten Chors Erstfeld
Der Gemischte Chor Erstfeld mit Fans und Gästen besuchte am letzten Junisonntag mit Uristierreisen das Kloster Fischingen im Hinterthurgau im sogenannten Tanzapfenland. Nach der Fahrt über den Sattel und den Ricken, durch Bütschwil, Mosnang, Mühlrüti im Alttoggenburg erblickte man nach einem dunklen Wald zwischen Tannen plötzlich die Klostertürme.
Die Chorsänger gelangten durch lange Gänge und Treppen zur grossen Empore. Diese befindet sich vor dem Altar der barocken Klosterkirche. Unser Organist Daniel Vetter fühlte sich sofort wohl beim Orgelspiel. Sängerinnen und Sängerinnen setzten sich zuerst in einen Chorstuhl und bewunderten die prunkvolle Hängekuppel über der Empore mit den Stuckaturen und Gemälden. Bei der Probe und im anschliessenden Gemeindegottesdienst liessen sich alle vom kunstvollen Raum inspirieren.
Um 10.30 Uhr begann der Gottesdienst, zu dem sich zahlreiche Gläubige in der Klosterkirche einfanden. Der Chor umrahmte die Feier mit mehrstimmigen Liedern aus dem Kirchengesangbuch sowie weiteren Chorgesängen. Zum Auszug spielte Daniel Vetter eine eindrucksvolle Improvisation auf der grossen Orgel – ein wahrer Ohrenschmaus.
Anschliessend begab sich die Reisegesellschaft in den wunderschönen Iddasaal, wo bei einem feinen Mittagessen aus der Klosterküche auf den gelungenen Auftritt angestossen wurde.
Das Kloster wurde 1138 gegründet. Fischingen liegt in der Mitte von Konstanz und Einsiedeln am Jakobsweg. 1848 wurden die Klöster Fischingen und weitere Thurgauer Klöster vom Grossen Rat des Kantons Thurgau aufgehoben und auch übernommen. Dieser verkaufte bald darauf Fischingen einen Textilfabrikanten. 1879 erwarb der katholische Männerverein St. Iddazell die Anlage und eröffnete die kath. Waisenanstalt St. Iddazell. Etwa 8‘000 Kinder waren hier während 100 Jahren untergebracht. 1973 wurde bei einer Volksabstimmung das Verbot der Errichtung oder Wiederherstellung aufgehobener Klöster aus unserer Bundesverfassung entfernt. In der Folge eröffneten Benediktinermönche in Fischingen wieder ein Kloster.
Die Mönche leben gemäss dem benediktinischen „BETE UND ARBEITE“ und wirken als Seelsorger in den zahlreichen Pfarreien im Hinterthurgau. Die Kirchgemeinde Fischingen ist Eigentümerin der Klosterkirche, der „Verein Kloster Fischingen“ der übrigen Klostergebäude und verantwortlich für den Erhalt und die Nutzung. Er betreibt eine Sonderschule, ein Seminarhotel mit 29 Doppelzimmern, eine Pilgerherberge für den Schweizer Jakobsweg, eine Klosterbrauerei und eine Schreinerei/Zimmerei. Man kann hier also Tür an Tür mit den Mönchen leben. Doch die touristisch genutzten Zimmer (pro Jahr ca 600 Pilgernächte und etwa weitere 6000 Hotelnächte) sind natürlich abgetrennt vom Wohn- und Lebensbereich der Mönche.
Später konnte man bei einer Klosterführung eintauchen in das Leben und die Geschichte des Klosters. Es liegt eingebettet im grünen Naturparadies des Tannzapfenlandes. Wir bewunderten Biblothek, Seminar- und Tagesräume. Sie sind ein Barockjuwel und für private, geschäftliche und touristische Anlässe massgeschneidert eingerichtet. Entlang der Klostergänge mit den vielen Türen der früheren Mönchszimmer, – jetzt Touristenzimmer – alle mit einem Namen bezeichnet, gelangten wir nochmals auf die Empore der Klosterkirche. Die grosse Orgel mit 33 Registern und 2265 Orgelpfeifen wurde 1763 vom Orgelbauer Aichgasser aus Überlingen zusammengestellt. Die zwei Doppelreihen des Chorgestühls auf beiden Seiten der Empore mit 44 Stallen baute etwa gleichzeitig Tischler Fröhli von Bichelsee auf. Über eine Treppe steigt man in die barocke Klosterkirche hinunter. Ein lichter Raum empfängt uns hier. Das prächtige Chorgitter mit einer aussergewöhnlichen Farbigkeit, versilbert, vergoldet, mit Rot- und Grüntönen lasiert, trennt das Altarhaus vom Laienschiff. Durch drei Arkaden gelangt man in die Iddakapelle. Im achteckigen Raum tragen Marmorsäulen ein achteckiges Gewölbe. Diese Säulen sind aber Stuckmarmor, das heisst kunstvoll gestaltete Holzsäulen. Gemälde, Figuren und weitere Darstellungen erzählen vom realen und legendären Leben der Heiligen Idda vom Toggenburg. Das Iddagrab ist der älteste Teil der Kapelle. und ein sehr markanter Kraftort, wo 22‘000 Boviseinheiten gemessen werden. Seit 500 Jahren kommen hier Pilger vorbei und halten ihre Füsse ins Grab und hoffen auf Heilung im Gebet zu Gott und zur „Heiligen“ Idda, die nie heiliggesprochen wurde. Einigen gelingt es immer wieder. In der Katherina Kapelle ist der Gebetsort der Mönche. Im Wappenzimmer sind alle Äbte mit ihrem Wappen ausgewiesen. Das farbenprächtige Archiv verblüfft mit dem sehr einfachen Schubladensystem.
Die Rückreise bei sehr hoher Temperatur führte durch den Hinterthurgau und das Tösstal nach Rapperswil. In Bichelsee wird kurz angehalten beim Denkmal von Pfarrer Traber, der in diesem Dorf die erste Darlehenskasse der Schweiz nach dem System Raiffeisen 1899 mit 30 Mitgliedern gründete. Auf dem Seedamm ist Kaffeehalt im Seerestaurant. Auch hier plagt einige die Hitze. Der Ventilator dreht sich nur, wenn ein Windstoss ihn bewegt. Um halb acht Uhr kommen wir wieder gesund in Erstfeld an.
Bericht: Martin Baumberger / Fotos: zVg









